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KLEINE AUSSTELLUNG "HISTORISCHE BÜROTECHNIK"

Kosmopolit

Maschine der Anfangszeit
der Schreibmaschine
in Deutschland.

Erscheinungsjahr: 1888
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Kosmopolit (ab 1888)   Nächste Maschine>
     



 

Die "Kosmopolit" (griechisch "Weltbürger") gehörte weltweit zu den ersten Schreibmaschinen. Sie wurde ab 1888 von der Hamburger Nähmaschinenfabrik Guhl & Harbeck gebaut. Dieses Unternehmen hatte 1884 bereits die "Hammonia" herausgebracht, die erste jemals in Deutschland serienmäßig gebaute Schreibmaschine. Sie schrieb nur Großbuchstaben und war nicht sehr erfolgreich, wohl weil die Maschine ziemlich unpraktikabel war. Daraufhin brachte Guhl & Harbeck in 1888 als neue Schreibmaschine die "Kosmopolit" auf den Markt, die als erste deutsche praktisch nutzbare Schreibmaschine angesehen werden kann. Konstrukteur der "Kosmopolit" war nach Dingwerth der Gesellschafter Heinrich Guhl, während Adler als Erfinder J.C. Koch angibt, dessen Namen auch einige der Maschinen tragen.


In technischer Hinsicht handelte es sich bei der "Kosmopolit" um eine Index- oder Zeigermaschine (Eintastermaschine) mit Typenplatte und Oberaufschlag.




 

Die Papierführung ähnelte der der "Hammonia": Das Papier wurde mit einer Transportwalze von vorn eingedreht und mit einem an der linken Seite befindlichen Zeilenschalthebel weiterbefördert. Der Abdruck der Zeichen auf dem Papier erfolgte auf einer Metallschiene, über die das Papier geführt wurde.




 
 

Als Typenträger diente eine segmentbogenförmige Typenplatte aus Kautschuk, auf der sich in zwei Reihen insgesamt 90 Typen befanden.




 

Die Typenplatte (die heute meist nicht mehr vorhanden ist) wurde mittels des für die "Kosmopolit" charakteristischen langen Tasterhebels in Druckposition gebracht. (Abbildung rechts: Ausschnitt der Kautschuk-Typenplatte).




 
 

Von einem mit Farbe getränkten Filzkissen, das die Typenplatte berührte, wurde die Typenplatte ständig eingefärbt. Als Vorbild hatte hier offenbar die "Hall" gedient.


Unterhalb des Tasterhebels befand sich ein Zeiger, der auf eine bogenförmige Buchstabenskala deutete. Vor der Skala befand sich eine ebenfalls bogenförmige Zahnstange.




 

Der Zeiger wurde durch Bewegung des Tasterhebels nach links oder rechts zu dem gewünschten Zeichen der Skala geführt, dann wurde der Taster in den oberhalb des Zeichens befindlichen Schlitz der Zahnstange gedrückt. Dadurch wurde die Kautschukplatte in der richtigen Position fixiert und die Type durch eine in dem Farbkissen befindliche Öffnung auf das darunterliegende Papier gepresst.




 
 

Ein kleinerer Hebel hinten links des Tasterarms diente als Leertaste, wenn man ihn nach unten drückte, und als Umschalter, wenn man ihn nach vorn bewegte. Die Typenplatte konnte ausgetauscht werden, wodurch verschiedene Schriften verwendet werden konnten.




 

Der geschriebene Text wurde von dem Wagen, der den Druckmechanismus trug, verdeckt und war somit nicht zu sehen. Zum Sichtbarmachen des Geschriebenen musste der Druckmechanismus nach oben geklappt werden.

Abbildung rechts:
Kosmopolit mit hochgeklapptem Wagen.




 
 

Die deutsche "Kosmopolit" war zwar wesentlich billiger als die damals schon erhältlichen ersten amerikanischen Tastaturschreibmaschinen, wie die Remington oder die Caligraph. Ein schnelles Schreiben wie mit einer Tastaturmaschine war jedoch mit ihr wegen der relativ umständlichen Handhabung mit einer einzigen Taste nicht möglich. Die "Kosmopolit" wurde somit insbesondere dort verwendet, wo es in erster Linie darum ging, Schriftstücke in gedruckter Schrift abzufassen, ohne daß es auf den Zeitaufwand ankam. Zum Einsatz als Büroschreibmaschine war die "Kosmopolit" dagegen kaum geeignet, so daß der Kreis potentieller Käufer nicht groß war.




 



 

Der Verkaufspreis der "Kosmopolit" lag 1888 bei 150 Mark. Es gab zusätzlich ein Sondermodell für Blinde, das für 175 Mark angeboten wurde. Heute ist die "Kosmopolit" äußerst selten und ist weltweit nur noch in wenigen Sammlungen und Museen vorhanden.




 



 

Die hier vorgestellte "Kosmopolit" war mit einem kyrillischen Zeichensatz ausgestattet. Sie wurde offenbar nach ihrer Herstellung von Deutschland nach Russland exportiert, das zur Zeit ihres Erscheinens noch vom Zaren (Alexander III.) regiert wurde. Dort leistete sie viele Jahre ihre Dienste und überstand die Oktoberrevolution 1917, deren Führer und Begründer der Sowjetunion, Lenin, bereits in den 1890er Jahren eine "Kosmopolit" zum Schreiben eines illegalen Pamphlets verwendet haben soll. Die Maschine überstand auch die Zeit der Sowjetunion von deren Gründung 1922 bis zu ihrem Untergang in den Jahren 1990/1991. Anschließend gelangte sie zu einem Sammler in die USA, von wo sie schließlich nach Deutschland zurückkehrte.




 
     



 

Maschinendaten:
Bezeichnung: Kosmopolit
Technik: Eintastermaschine mit Typenplatte, Oberaufschlag
Besonderheiten: Kyrillische Schrift
Erscheinungsjahr: 1888
Hersteller: Guhl & Harbeck, Hamburg
Konstrukteur: Heinrich Guhl, J.C. Koch (?)
Seriennummer: ---


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Weitere Schreibmaschinen von Guhl & Harbeck: Hammonia
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Weitere Maschinen:
Richard Polt (USA)
Polytechnisches Museum Moskau (Russland)
The Virtual Typewritermuseum (Niederlande)
Schreibmaschinenmuseum Stefan Beck (Schweiz)
Swedish Typewriter Page (Schweden)
SLK Typewritermuseum (Finnland)
Jochen Besmer (Deutschland)
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Quellen: Burghagen, Die Schreibmaschine, Verlag der Handels-Akademie, Hamburg 1898; Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Verlag Johannes Meyer, Pappenheim, 5. Aufl. 1934; Müller, Schreibmaschinen und Schriften-Vervielfältigung, Verlag der Papier-Zeitung Carl Hofmann, Berlin 1900; Kunzmann, Hundert Jahre Schreibmaschinen im Büro, Merkur-Verlag, Rinteln 1979; Ulbrich, Kleine Entwicklungsgeschichte der Schreibmaschine, Fachbuchverlag GmbH Leipzig 1953; Adler, The Writing Machine, Georg Allen & Unwin Ltd., London 1973; Dingwerth, Die Geschichte der deutschen Schreibmaschinenfabriken, Band 2, Verlag Kunstgrafik Dingwerth GmbH, Delbrück 2008; Kerschbaumer, The Classic Typewriter Page, Kosmopolit //site.xavier.edu/polt/typewriters 2009; Polt , ETCetera, Journal of the Early Typewriter Collector's Association No. 88, 2009

(036(
145)S907263-1009-23.10.2009-1109-1209-0112-0512-0912)




 

- Sammlung Arnold Betzwieser -




 

(1112-1-5556)