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KLEINE AUSSTELLUNG "HISTORISCHE BÜROTECHNIK"

Hammonia

Erste deutsche Schreibmaschine.


Erscheinungsjahr: 1884

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Hammonia (ab 1884)   Nächste Maschine>
     



 

Die "Hammonia" war die erste in Deutschland serienmäßig hergestellte Schreibmaschine. Konstrukteur der Maschine war Andreas Hansen, der seine Erfindung 1882 zum Patent anmeldete. Hergestellt und auf den Markt gebracht wurde die "Hammonia" ab 1884 von der Hamburger Nähmaschinenfabrik Guhl & Harbeck, gegründet im Jahr 1866 von dem Schlosser Hermann Guhl und dem Kaufmann Christian Friedrich Harbeck. Benannt war die Maschine nach ihrem Herstellungsort: Hammonia ist die lateinische Bezeichnung für Hamburg und gleichzeitig der Name der Patronin der Hansestadt.




 



 

In technischer Hinsicht handelte es sich bei der "Hammonia" um eine Index- oder Zeigermaschine (Eintastermaschine) mit Typenstange und Oberaufschlag. Charakteristisch war die Typenstange, eine lange, mit einem Handgriff versehene Messingklinge, die auf einem seitlich verschiebbaren Wagen so angebracht war, daß sie sowohl nach vorn und hinten als auch nach oben und unten bewegt werden konnte. Die "Hammonia" sah dadurch nicht aus wie eine Schreibmaschine, sondern eher wie eine Papierschneidemaschine oder wie ein zu ihrer Zeit gebräuchlicher Zuckerschaber, mit dem man die damals üblichen Zuckerhüte zerkleinerte.




 



 

Am vorderen Teil des unteren Rands der Typenstange, die stattliche 49 Zentimeter lang war, waren 45 Typen in alphabetischer Reihenfolge fest integriert (Abbildung oben).




 

Neben der Typenstange befand sich eine Skala mit den Buchstaben und sonstigen Zeichen (Abbildung rechts). An der Schiene war ein Metallstift, der als Zeiger diente. Zum Schreiben schob man die Typenstange mit dem Handgriff so vor oder zurück, daß der Stift über dem gewünschten Zeichen stand. Beim Herunterdrücken wurde der Stift durch je eine Zahnstange links und rechts der Schiene fixiert und das Zeichen auf das Papier gedruckt. Gleichzeitig wurde der Wagen, der den Druckmechanismus trug, um eine Zeichenbreite nach rechts befördert.




 
 

Zur Erzeugung eines Leerraums zog man entweder die Typenstange bis zum Anschlag heraus und drückte sie herunter oder man betätigte den "Zwischenraumhebel" links am Wagen, indem man ihn nach unten drückte. Beim Zeilenende wurde der Wagen mit dem Hebel nach links zum neuen Zeilenanfang gezogen. Die Zeilenschaltung erfolgte mit dem Hebel an der linken vorderen Ecke der Maschine.



Die Maschine hatte an ihrer Unterseite einen ausklappbaren Fuß, mit dem sie zur Verbesserung der Arbeitsposition in Schräglage gebracht werden konnte (Abbildung unten).




 



 

Die "Hammonia" schrieb nur Großbuchstaben. Die mit ihr gefertigten Schreiben sahen daher aus wie Telegramme. Die Farbgebung erfolgte durch ein Band aus Kohlepapier oder mit Farbe getränktem Stoff, das in einer Kapsel unterhalb des Wagens untergebracht war (Abbildung rechts). Es wurde durch einen Schlitz der Kapsel zum Aufschlagpunkt befördert. Das Farbband wurde nicht wieder aufgerollt, sondern hing nach vorn über das Papier herunter und mußte nach der Verwendung ausgetauscht werden.




 
 

Zur Einführung des Papiers wurde zunächst der links unter dem Rahmen hervorragende Hebel nach hinten geschoben, womit die Andruckrolle angehoben wurde. Dann wurde das Papier eingelegt und die Andruckrolle wieder gesenkt. Mit dem Zeilenschalthebel an der linken vorderen Ecke der Maschine wurde das Papier weiterbefördert. Der Abdruck der Zeichen auf dem Papier erfolgte auf einer schmalen Leiste, über die das Papier geführt wurde.




 
 

Die "Hammonia" war als preisgünstige Alternative zu den damals bereits erhältlichen, aber teuren amerikanischen Tastaturschreibmaschinen konzipiert. Eine "Remington 2" kostete immerhin fast 500 Mark -damals noch "Goldmark"-, so daß sich insbesondere kleinere Betriebe und Privatleute eine solche Schreibmaschine meist nicht leisten konnten. Die "Hammonia" wurde dagegen anfangs für 45 Mark angeboten, später wurde ihr Verkaufspreis auf 60 Mark angehoben. Ihr Verkaufspreis lag somit lediglich bei etwa einem Zehntel des Preises einer amerikanischen Importmaschine. Da jedoch wegen der umständlichen Schreibtechnik ein schnelles Schreiben nicht möglich war, verlief der Absatz letztlich nicht erfolgreich. Die "Hammonia" wurde daher nur kurze Zeit hergestellt und bereits 1888 durch die "Kosmopolit" ersetzt. Heute gehört die "Hammonia" zu den seltensten Schreibmaschinen überhaupt und ist nur noch in wenigen Sammlungen und Museen anzutreffen.




 



 

Einige Exemplare der "Hammonia" wurden nach England und nach Kanada exportiert. Bei der hier vorgestellten "Hammonia", die in Österreich aufgefunden wurde, handelt es sich um ein Exportmodell für Frankreich. Es trägt die Aufschrift "MACHINE À ÉCRIRE" (französich für "Schreibmaschine") und ist auf der Grundplatte mit farbigen Verzierungen versehen. Der sonst übliche Adler mit der schwarz-weiß-roten Reichsflagge ist nicht aufgedruckt, vemutlich weil man in Frankreich nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 auf die Deutschen nicht gut zu sprechen war. Die Maschine befindet sich im Originalzustand und ist heute noch funktionsfähig.




 



 

Maschinendaten:
Bezeichnung: Hammonia
Technik: Eintastermaschine mit Typenstange, Oberaufschlag
Besonderheiten: Erste deutsche Schreibmaschine
Erscheinungsjahr: 1884 (Patentiert 1882)
Hersteller: Guhl & Harbeck, Hamburg
Konstrukteur: Andreas Hansen
Seriennummer: ---


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Weitere Schreibmaschinen von Guhl & Harbeck: Kosmopolit
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Weitere Maschinen:
Peter Mitterhofer Museum, Partschins, Südtirol (Italien)
Martin Howard Collection (Kanada)
The Virtual Typewritermuseum (Niederlande)
Swedish Typewriter Page (Schweden)
Museu de la Tècnica de l'Empordà (Spanien)
Milwaukee Public Museum (USA)
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Quellen: Dinglers Polytechnisches Journal, Band 258, Verlag der J.G. Cottaschen Buchhandlung, Stuttgart 1885; The Typewriter History & Encyclopedia, Typewriter Topics, New York 1923; Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Verlag Johannes Meyer, Pappenheim, 5. Aufl. 1934; Ulbrich, Kleine Entwicklungsgeschichte der Schreibmaschine, Fachbuchverlag GmbH Leipzig 1953; Adler, The Writing Machine, Georg Allen & Unwin Ltd., London 1973; Dingwerth, Historische Schreibmaschinen, Verlag Dingwerth, Verl 1993; Dingwerth, Die Geschichte der deutschen Schreibmaschinenfabriken, Band 2, Verlag Kunstgrafik Dingwerth GmbH, Delbrück 2008; Dingwerth, Historische Schreibmaschinen, Battenberg Verlag, Regenstauf 2008; Robert, The Virtual Typewriter Museum, www.typewritermuseum.org 2012

(173S909150-0512-04.05.2012-0512-0612-1012)




 

- Sammlung Arnold Betzwieser -




 

(0612-1-8032)