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KLEINE AUSSTELLUNG "HISTORISCHE BÜROTECHNIK"

Continental

Beliebte deutsche Standardmaschine,
die die höchsten Verkaufszahlen aller
deutschen Schreibmaschinen erreichte.

Erscheinungsjahr: 1904
>> !!




 
 



 
Continental (ab 1904)   Nächste Maschine>
     



 

Die "Continental" geht zurück auf Johann Babtist Winklhofer, geb. am 23.06.1859 in München-Bogenhausen und Richard Adolf Jaenicke, geb. am 25.12.1858 in Chemnitz. Beide waren von Beruf Mechaniker und hatten 1885 das "Chemnitzer Veloziped-Depot Winklhofer & Jaenicke" gegründet, aus dem die "Wanderer-Fahrradwerke vorm. Winklhofer & Jaenicke" entstanden (Abb. rechts: Die Gründer mit einem Hochrad).




 
 

Schließlich erfolgte die Umfirmierung in "Wanderer-Werke AG", die in Siegmar-Schönau bei Chemnitz neben Fahrrädern insbesondere Motorräder und Werkzeugmaschinen -später auch Automobile (wie das Wanderer "Puppchen")- produzierten.


Abbildung unten: Wanderer Fahrradwerke in Schönau um 1910.




 



 

Die Wanderer-Werke brachten 1904 die von dem Ingenieur Julius Mohns konstruierte "Continental-Standard" heraus, die sich bald darauf einer großen Nachfrage erfreute. Die Maschine wurde mehrere Jahrzehnte hindurch gebaut und erreichte wohl die höchsten Verkaufszahlen aller deutschen Schreibmaschinen. Die "Continental" war unter den deutschen Schreibmaschinen diejenige, die in den vielen Jahren ihrer Herstellung die wenigsten Änderungen erfahren hat, was für ihre ausgereifte Konstruktion spricht.




 
 

Es handelte sich um eine Typenhebelmaschine mit Vorderaufschlag, mit vierreihiger Universaltastatur und einfacher Umschaltung ("Halbtastatur").




 

Die Maschine wurde im Lauf der Zeit mit den verschiedensten Wagenbreiten, Dezimaltabulator, Tastenfeldern in sämtlichen Kultursprachen, Zusatz- und Sondereinrichtungen angeboten und wurde so zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel im Büro.




 
 

Charakteristisch für die Continental war die geschlossene Front mit einer Klappe mit Abbildung der Wanderer-Werke. Die Klappe konnte zur Reinigung der Typen geöffnet werden. (Abbildung rechts: geöffnete Frontklappe, Typenhebel, Segment)




 
 

Bei der hier vorgestellten Maschine handelt es sich um ein frühes Modell. Dies ergibt sich auch aus der Fabrikabbildung, auf der das Werk noch relativ klein war (vgl. Abbildung rechts). Auf späteren Maschinen war eine größere Fabrik abgebildet.




 
 

Diese Maschine, die in 1910 hergestellt wurde, wurde von ihrem letzten Eigentümer in Sachsen-Anhalt noch bis ins Jahr 1970 genutzt und funktioniert noch heute einwandfrei.




 



 
Werbeprospekt um 1923    



 

Aus der weiteren Unternehmensgeschichte

Die Wanderer-Werke mit ihrem Continental-Büromaschinenwerk in Chemnitz wurden 1934 zur größten Büromaschinenfabrik Europas (Abbildung rechts). Im Jahr 1939 beschäftigte Wanderer insgesamt 9.300 Mitarbeiter.




 
 
Wanderer Erzeugnisse    
Fahrräder Motorräder Automobile



 
     
   
  Wanderer Verkaufsstelle Bangkok/Thailand um 1940  



 

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Werk 1945 unter sowjetischer Militärverwaltung demontiert. 1948 wurde der Betrieb in der DDR in "Volkseigentum" überführt und erhielt die Bezeichnung "Mechanik Büromaschinenwerk Wanderer-Continental VEB".

In München beschloss die Aktionärsversammlung die Verlegung des Sitzes nach München; der Betrieb in Chemnitz wurde formell Zweigniederlassung.

1951 wurde der Betrieb in der DDR in "VEB Mechanik Büromaschinenwerk Wanderer-Continental" umbenannt und 1953 mit den Astrawerken zum "VEB Büromaschinenwerk Chemnitz" zusammengeschlossen. 1954 wurden die Betriebe wieder getrennt und, nachdem Chemnitz inzwischen in "Karl-Marx-Stadt" umbenannt worden war, die ehemaligen Wanderer-Werke nunmehr in "VEB Büromaschinenwerk Karl-Marx-Stadt umbenannt. 1955 wurde die "Continental"-Produktion eingestellt.

In Westdeutschland entwickelte sich die "Wanderer AG" zu einer reinen Finanzholding ohne eigenen Geschäftsbetrieb, die Immobilien und Beteiligungen ("Böwe") erwarb und hielt. Im Jahr 2010 meldete die Gesellschaft Insolvenz an. Von einem Lizenznehmer wurden Fahrräder unter der Marke "Wanderer" noch bis 2013 produziert.




 
Continental (ab 1904)    
Farbbandmechanismus, Umschalt-Feststellhebel Hebeltechnik (Rückseite) Zugfedern



 

Maschinendaten:
Bezeichnung: Continental
Technik: Typenhebelmaschine mit Vorderaufschlag u. einfacher Umschaltung
Erscheinungsjahr: 1904
Hersteller: Wanderer Werke vorm. Winklhofer & Jaenicke, Chemnitz
Konstrukteur: Julius Mohns
Seriennummer: 16117
Baujahr: 1910




 
 

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Weitere Maschinen der Wanderer Werke: Kleine Continental
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Weitere von Julius Mohns konstruierte Schreibmaschinen: Ideal B
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Quellen: Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Verlag Johannes Meyer, Pappenheim, 5. Aufl. 1934; Kunzmann, Hundert Jahre Schreibmaschinen im Büro, Merkur-Verlag, Rinteln 1979; Dingwerth, Historische Schreibmaschinen, Verlag Dingwerth, Verl 1993; Handbuch der Büro-Maschinen, Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin 1928; Wildt, "Unternehmer sind keine Unterlasser" - Hundert Jahre Wanderer-Werke AG, Wanderer-Werke 1985; Wanderer-Werke, www.wanderer.de 2004; Förderzentrum Pro Chemnitz GmbH, www.prochemnitz.de 2006; Ulbrich, Kleine Entwicklungsgeschichte der Schreibmaschine, Fachbuchverlag GmbH Leipzig 1953; Wanderer (Unternehmen), wikipedia 2015

(020S100041-0205-14.01.2006-1006-0608-1111-0915)




 

- Sammlung Arnold Betzwieser -




 

(1013-1-18407)